Ziel des Projektes ist, Vereinen und Initiativen einen Raum für Indoor-Sport (z.B. Skaten und Tanzen), kulturelle Veranstaltungen (z.B. Theateraufführungen, Performances und Konzerte), private und öffentliche Feiern und Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Wir möchten einen Raum bieten, den man unkompliziert und umsonst oder gegen eine Übernahme an eventuellen Unkosten buchen kann. Dabei wird keine Miete in Rechnung gestellt. Bei offen zugänglichen Veranstaltungen muss eine Veranstalter-Haftpflicht abgeschlossen werden, die es schon ab 33 € für die meisten Termine gibt. Unser Ziel ist außerdem, bei allen öffentlichen Veranstaltungen keinen Eintritt zu erheben, um die Hemmschwelle, etwas Neues, Unbekanntes zu probieren, möglichst niedrig zu halten. Bis auf 5 (von bisher 230) Veranstaltungen konnten wir dies auch einhalten.
Im Laufe des Projekts ergibt sich automatisch, welche Erwartungen und Wünsche bei den zukünftigen Besuchern an das „Haus der Neugier“ haben, das dort entstehen wird. Dabei werden besonders Jugendliche als eine der zukünftigen Zielgruppen angesprochen, die im Augenblick in der Stadtmitte keinen konsumfreien Raum vorfinden und sich daher vor allem im Winter auf der Gastro-Etage der Aachener Shopping-Mall aufhalten. Zudem hat sich herausgestellt, dass sie besonders interessiert sind an dystopischen Umgebungen oder Lost Places oder einfach an Räumen, in denen sie kaum Einschränkungen für Ihre Ideen haben und wo gleichzeitig praktisch nichts beschädigt werden kann.
Weitere Ideen entstehen ständig während des Betriebs. So gab es von Juni bis September in einem Teilbereich einen Familien-Spielraum, der jeden Tag – auch am Wochenende – kostenlos genutzt wurde und in dem das Jugendamt eine Aufsichtsperson stellte. Außerdem entstand ein kostenloser Skate-Termin einmal pro Woche für Kinder, die hier in einem geschützten Raum unter Anleitung skaten und das Benutzen von Obstacles lernen können. Es wurden inzwischen vier Videoclips für YouTube und eine Performance für die Masterarbeit an einer Hochschule dort gedreht und eine Frau stellt dort ihre in der Freizeit hergestellten umgestalteten Schaufensterpuppen aus. Ab März wird der Raum sonntags von einem vietnamesischen Verein für Familientreffen mit Kindern gebucht. Außerdem nutzt ihn die Stadtverwaltung für Workshops zum Thema Innenstadt und die Hochschulen der Stadt vergeben Studienarbeiten zum Gebäude und dessen möglicher Nutzung und haben Anfang des Jahres eine … m lange Fensterfront unter dem Thema „Schau Fenster!“ gestaltet. Hier sollte Bezug auf die Umgebung und mögliche Nutzungen genommen werden.
Einbettung in die Entwicklung östliche Innenstadt
Für die meisten Besucher von Aachen endet die Innenstadt Richtung Osten zurzeit oftmals am Büchel. Es gibt wenig Anreiz, weiter in Richtung Bushof zu gehen, weil die Gebäude in der Mefferdatisstraße vor allem auch in Richtung Großkölnstraße zum Teil in keinem guten Zustand sind und im Dahmengraben nur noch sehr wenige Geschäfte geöffnet haben. Die Leiterin des Planungsamtes hat die Wirkung mit der eines toten Wal verglichen, der quer über der Straße liegt. Das ist für alle Geschäfte hinter dem Gebäude von großem Nachteil. Was einfach fehlt, ist ein Anreiz, weiterzugehen. Oft wird das mit einer Perlenkette verglichen: Es fehlt eine Perle in Richtung Großkölnstraße, in Richtung Komphausbadstraße und ans Ende des Dahmengrabens, die einen dazu „verführt“, nicht umzukehren.
Eine Wiederbelebung des ehemaligen Lust4Life würde genau diese Lücken schließen, und zwar alle drei oben angesprochenen. Die Erschließung eines seit vielen Jahren existierenden Leerstands würde der östlichen Innenstadt einen positiven Entwicklungsimpuls geben. Gleichzeitig böte sich für die vielen Engagierten der Stadt, für die Kultur- und Kreativszene, Sportgruppen sowie Initiativen und Vereinen, die sich in der Regel teure Mieten in der Innenstadt nicht leisten können, die Möglichkeit, mit ihrem Engagement ein Herzstück der Innenstadt zu beleben und selber sichtbar zu werden. Diese Ziele verfolgt auch die Stadt Aachen und befürwortet daher das Anliegen. Das Citymanagement unterstützte das Projekt in seiner Startphase kooperativ und finanziell. In 2025 kümmert sich eine spezielle Task Force der Stadt um die Entwicklung und Neu-Belebung.
Die Location
Das Erdgeschoss dieses Geschäftsgebäudes, dem ehemaligen Horten/ Lust4Life im Dreieck Mefferdatisstraße/ Seilgraben/ Komphausbadstraße hat eine nutzbare, ebene, offene Grundfläche von ca. 1500m² (35 x 45m) und bietet neben der Größe durch das Übergangsstadium, in dem er sich zurzeit befindet, auch optisch Anreize und Möglichkeiten für verschiedenste Aktivitäten. Wir stellen immer wieder fest, dass Veranstalter ihre ursprüngliche Idee aufgrund der besonderen Atmosphäre des Raumes noch einmal überarbeiten oder umgestalten. Der Zugang und der Raum selbst sind barrierefrei. Strom und Wasser sind vorhanden, ein Catering kann durch uns organisiert werden. Toiletten befinden sich im Raum – davon eine barrierefreie.
Die Umsetzung
Der Raum ließ sich mit relativ geringem Aufwand (ca. 40.000 €) unter Beachtung der Bau- und Brandschutz-Vorschriften so herrichten, dass er für eine begrenzte Zeit genutzt werden kann. Da alle Wände im Rohbaustadium sind, ist nicht mit Beschädigungen zu rechnen. Außerdem war er dadurch sicher schadstofffrei. Das Geld wurde in Form von Spenden eingesammelt – dabei beteiligten sich auch das Citymanagement der Stadt, die Sparkasse und der Eigentümer selbst. Mehr als zwei Drittel der Gesamtkosten von 60.000 € im ersten Jahr mussten aber durch private Spenden (u.a. ein Crowdfunding) akquiriert werden, da außer den Kosten für den Umbau auch Mittel für den laufenden Betrieb anfallen.
Das Gebäude und der Ort werden dadurch bis zum Umbau umgenutzt und wieder bespielt, um damit die Innenstadt in unmittelbarer Nähe des Aachener Bushofs mitten in einer problematischen Gegend deutlich sichtbar neu zu beleben. Dazu wurde unter anderem ein Fenster großflächig mit dem Logo beklebt und ein ukrainischer 17-jähriger Jugendlicher mit der Gestaltung der Eingangs-Fassade beauftragt und die großen Scheiben darüber mit dem Logo und Hinweisen auf die Veranstaltungstypen beklebt und nachts beleuchtet – was bei den verbliebenen Geschäften im Dahmengraben sehr gut ankam. Bisher war an dieser Stelle abends ein „schwarzes Loch“.
Neueste Entwicklung
Inzwischen hat der Rat der Stadt Aachen mit nur einer Gegenstimme beschlossen, das Gebäude zu kaufen und dort einen dritten Ort zu schaffen durch die Unterbringung von Stadtbibliothek und Volkshochschule, von Gastronomie und einem konsumfreien Raum im Erdgeschoss, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Das gewährleistet, dass das Projekt auch bei einem Regierungswechsel weiter umgesetzt wird.
Der Projektleiter
Georg Helmes, Kulturaktivist, ehrenamtlicher Stadtmacher, „Ermöglicher“ (Belinda Petri).

Seit Anfang 2022 habe ich zusammen mit einem Freund 18-mal den Foodmarkt am Büchel (ZwischenMahlZeit) ausgerichtet. Hier konnte ich die Erfahrung machen, was es bedeutet, Veranstaltungen im öffentlichen Raum zu organisieren und anzubieten, dass es tatsächlich möglich ist, wenn man es umsetzen will und wie sehr solche Aktivitäten in Aachen vermisst werden. Diese Erfahrung und die große Begeisterung der Aachener hat mir Mut gemacht, weitere Ideen anzugehen, von denen das hier beschriebene „LustAufLife“ die erste ist, die ich umgesetzt habe – vor allem, weil sich bei Gesprächen auf den Märkten herausstellte, dass es für diese Art Nutzung einen hohen Bedarf gibt. Dabei kann ich – durch den Foodmarkt entstanden – als Mitglied der meffı.s auf ein Netzwerk von StadtmacherInnen zurückgreifen, die ähnliche Projekte bereits umgesetzt haben, unter anderem die Architekten „archigraphus“ (Umbau der Räume Mefferdatisstraße), Patricia Graf (Hotel Total u.a.), Tina Kukovic (Theater SOSH) und andere mehr. Ohne die meffi.s und das Netzwerk wäre das Projekt nicht möglich gewesen.
Stand: 12.2.2025